Geisterfüllte Pfinsten - auch digital!

22.05.2021 | Text: Chr. Rutishauser SJ Bild: jesuiten.org

Ein geistliches Wort von Chr. Rutishauser SJ zu Pfingsten.
Rutishauser ist Delegat für Schulen und Hochschulen der neuen Zentraleuropäischen Provinz mit Sitz in München.

Die Digitalisierung hat eine Revolution in unserer Kommunikationswelt ausgelöst. Die vielfältigen Möglichkeiten der sozialen Medien, aber auch die Leichtigkeit eigene Homepages, Blogs etc. zu gestalten, führen zur Unübersichtlichkeit. Wie will man sich in diesem Dschungel noch orientieren?! Je mehr die Welt des Gedanken-, Gesprächs- und Bildaustausches dereguliert ist, umso wichtiger die Fähigkeit, ein eigenes Urteil zu bilden. Die Gabe der Unterscheidung der Geister, wie es in der traditionellen Sprache heißt, ist aktueller denn je. Wie finde ich Orientierung? Welche Impulse sind nachhaltig und lohnen aufgenommen zu werden? Was ist nur oberflächliche Zerstreuung? Was sind billige Slogan, die Aufmerksamkeit erheischen, die niedrigsten Triebe ansprechen und einem dann entleert zurücklassen? Vor allem: Welche inneren Geister treiben mich an, immer wieder ins Internet zu gehen, zu surfen, noch einen Post zu machen oder ein WhatsApp zu senden? Bin ich noch fähig, bei mir selbst zu sein? Wie abhängig oder sogar süchtig habe ich mich im Netz der digitalen Welt verfangen?

Der Heilige Geist lehrt, die vielen Impulse, die den Menschen umtreiben zu unterscheiden. Er schenkt Kraft, den zerstreuenden und destruktiven Geistern zu widerstehen. Er befähigt, Lebensdynamiken der Abhängigkeit zum Positiven und zu kreativer Sammlung zu wenden. Spirituell zu leben bedeutet, sich dem Spiritus Sanctus zu öffnen. Das eigene Kommunikationsverhalten bewusst von ihm prägen lassen. Pfingsten ist das Fest der Spiritualität. Pfingsten ist das Fest des einen Geistes und der vielen Gaben. Der Geist des Auferstandenen will die Vielfalt der Dynamiken, die unterschiedlichsten Impulse und Kommunikationsformen nicht unterdrücken. Er will vielmehr, alle Bewegungen fruchtbar machen. Es ist derselbe Geist, der Jesus aus dem Tod zum Leben erweckt und aus dem Nichts das komplexe Universum erschaffen hat. Woher die Myriaden von Geistern kommen: Gott weiss es allein! Sich mit den vielfältigen Interessen aber dem einen Schöpfergeist anvertrauen, ist Aufgabe des Menschen. Er ist stärker als alle Zersetzungsdynamiken. Pfingsten lädt ein, sich bewusst für den Schöpfergeist zu entscheiden, mitten im Netz der digitalen Welt.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest,
Ihr Christian M. Rutishauser SJ (München)